4. Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung im Spiegel lokaler Unterschiede

4.4 Veränderungen der Inanspruchnahme im Zeitverlauf

Die Karte (Abb. 4.4) zeigt die prozentuale Veränderung der Inanspruchnahmepunkte zwischen den Jahren 2015 und 2016. Da bevölkerungsrelativierte Werte verglichen werden, geht aus der Abbildung nicht die zugrundeliegende absolute Zahl der Hilfen hervor. Alle Angaben sind zudem vor dem Hintergrund insgesamt deutlich steigender Fallzahlen – vor allem bei den Fremdunterbringungen – zu betrachten.

Der insgesamt verzeichnete Anstieg der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung prägt sich lokal sehr unterschiedlich aus. In 141 Jugendamtsbezirken (25%) ist die Zahl der Hilfen im Verhältnis zur unter 21-jährigen Bevölkerung im Vergleich zum Vorjahr gesunken; in 44 Gebieten, also 8% aller Jugendamtsbezirke, sogar um mehr als 10%. In weiteren 199 Jugendamtsbezirken wird ein leichter Anstieg von bis unter 10 % angegeben. Insgesamt verzeichnet etwa die Hälfte der Jugendamtsbezirke Hilfezahlen, die um nicht mehr als 10% in die eine oder andere Richtung von dem Vorjahreswert abweichen. 210 Jugendämter verzeichnen einen Anstieg von 10% bis unter 50%. In 9 Jugendamtsbezirken sind die Hilfen um mindestens 50% gestiegen 

Abb. 4.4: Veränderung der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung (ohne Erziehungsberatung) von 2015 bis 2016 (Deutschland; 2015, 2016; Prozentuale Veränderung der Inanspruchnahmequote – Aufsummierung der zum 31.12. des jeweiligen Jahres andauernden und der innerhalb des Jahres beendeten Hilfen; relativiert zur Zahl der unter 21-Jährigen im jeweiligen Jahr)

In den hellblau gefärbten Jugendamtsbezirken ist die Zahl der Hilfen zur Erziehung im Verhältnis zur unter 21-jährigen Bevölkerung im Jahr 2016 im Vergleich zum Jahr 2015 um mehr als 10 Prozent gesunken.
Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe, Hilfe für junge Volljährige 2015, 2016; Datenzusammenstellung und Berechnungen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik

Methodische Hinweise

Datengrundlage

Als Datengrundlage dienen die Mikrodaten der KJH-Statistik für das Erhebungsjahr 2016 auf Ebene der Jugendamtsbezirke. Es fließen die Daten von allen 559 am Jahresende 2016 bestehenden Jugendamtsbezirken ein. 

Bevölkerungszahlen

Als Referenzwerte dienen die Daten der Bevölkerungsstandstatistik des Statistischen Bundesamtes zum 31.12.2016 aus der Fortschreibung des Zensus von 2011.

Die Bevölkerungsstandstatistik für den 31.12.2016 ist laut Statistischem Bundesamt nur bedingt mit den Werten des Vorjahres vergleichbar. Gründe dafür sind methodische und technische Veränderungen in der Erhebung sowie Ungenauigkeiten bei der melderechtlichen Erfassung von nach Deutschland eingereisten Schutzsuchenden (vgl. Statistisches Bundesamt 2018).

Bei den Daten des Jahres zu 2016 ist zudem zu berücksichtigen, dass in folgenden 6 nordrhein-westfälischen Jugendamtsbezirken laut IT.NRW Unplausibilitäten bei der Bevölkerungsstandstatistik aufgetreten sind und die hier ausgewiesenen Quoten daher in ihrer Aussagekraft eingeschränkt sind: Kreis Kleve, Kreis Borken, Kreis Höxter, Stadt Hemer, Stadt Unna.    

Extremwerte

Um „Extremwerte“ zu identifizieren, werden die Daten zunächst in eine Rangfolge gebracht und danach in 3 Teile aufgeteilt: die niedrigsten 25%, die mittleren 50% und die höchsten 25% der Werte. Die bei 25% und 75% liegenden Werte dienen dann als Berechnungsgrundlage: Der Abstand zwischen beiden Werten wird zunächst mit 3 multipliziert. Als Extremwerte werden dann diejenigen Werte bezeichnet, die entweder unterhalb des 25 %-Wertes minus der dreifachen Spannweite oder oberhalb des 75 %-Wertes plus der dreifachen Spannweite liegen. Dabei handelt es sich um ein gebräuchliches Verfahren (vgl. Müller-Benedict 2011, S. 99), das allerdings keine Aussage zu der Frage zulässt, warum es zu solchen „Extremwerten“ kommen konnte. So ist anhand der Daten nicht ersichtlich, ob die tatsächliche Hilfegewährungspraxis unterschiedlich ist oder ob diesen Werten evtl. ein unterschiedliches Verständnis oder Ausfüllverhalten der Statistikbogen zugrunde liegt. 

Bestimmung der Intervalle

Die Intervalle, nach denen die 5 Kategorien zusammengestellt und die „Farben“ auf der Kartendarstellung bestimmt werden, werden in jedem Jahr anhand der aktualisierten Datenbasis neu berechnet. Die Karten der verschiedenen Jahre sind daher nicht unmittelbar vergleichbar! Dazu werden zunächst die „Extremwerte“ bestimmt (s. o.) und danach der Wertebereich zwischen den verbleibenden Minimal- und Maximalwerten. Diese „Spannweite“ wird durch 5 geteilt und ergibt – aus Übersichtsgründen gerundet – das Intervall. Die Obergrenze der ersten Kategorie ergibt sich aus dem ebenfalls gerundeten Minimalwert plus der Spannweite. Nach Festlegung der Kategorien werden die „Extremwerte“ wieder mit einbezogen, sodass in der ersten Kategorie auch Ausreißer nach unten und in der fünften Kategorie auch Ausreißer nach oben enthalten sind. 

Variationskoeffizient

Der Variationskoeffizient wird berechnet, indem die Standardabweichung durch das arithmetische Mittel geteilt wird. Durch diese „Normierung“ lässt sich die Varianz von Werten in unterschiedlichen Wertebereichen vergleichen. Je höher der Variationskoeffizient ist, desto größere Unterschiede sind innerhalb einer Kategorie festzustellen. Je kleiner der Variationskoeffizient ist, desto ähnlicher sind die Werte innerhalb einer Kategorie.

Literatur:

Müller-Benedict, V.: Grundkurs Statistik in den Sozialwissenschaften. Eine leicht verständliche, anwendungsorientierte Einführung in das sozialwissenschaftlich notwendige statistische Wissen. 5. Aufl., Wiesbaden 2011.

Statistisches Bundesamt: Methodische Hinweise für das Berichtsjahr 2016. Online verfügbar unter: www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Methoden/MethodischeHinweise2016.html; Zugriff: 15.06.2018

  • Es mussten zusammengefasst werden: Stadt Burgdorf mit Region Hannover.